Tag Archives: Der Weg der Erneuerung

Eine Leidenschaft für das, was gut ist

Für Dinge, die wir mögen und von denen wir begeistert sind, finden wir immer Zeit. Manche Leute leben mit offenen Türen. Ständig kommen und gehen Gäste, es wird gemeinsam gegessen und miteinander geredet. Das geschieht, weil es in dieser Familie eine Leidenschaft für Menschen gibt. Wenn die Kinder ihre Freunde mitbringen und den Kühlschrank leeren, dann bringt das zwar die Pläne ein bisschen durcheinander, doch Eltern mit einer Leidenschaft für Beziehungen nehmen das hin.

Wenn ich eine andere Stadt besuche, finde ich meist die Zeit zu einem Morgenspaziergang. Es fällt mir auch nicht schwer, mich um meine Pflanzen auf dem Balkon zu kümmern. Diese beiden Eigenschaften gehören zu mir – ich bin neugierig und ich mag gerne Blumen und süße, selbst gezogene Tomaten. Wenn ich in diesem Zusammenhang von Leidenschaft spreche, dann ist es eine positive Kraft zum Guten. Es ist keine Leidenschaft, die mich selbstsüchtig macht oder anderen schadet. Es liegt in meiner Macht, sie zu kontrollieren, damit sie mir und den Menschen um mich herum zugutekommt.

Was wir heute die christliche Kirche nennen, die Gemeinschaft von Menschen, die mit Jesus unterwegs sind, entstand, weil Gott eine Leidenschaft in die Herzen der Jünger legte. Der Heilige Geist kam in sie persönlich und in ihre Gemeinschaft, und plötzlich fiel es ihnen überhaupt nicht mehr schwer, der Welt von Jesus zu erzählen. Sie ignorierten sogar ein Verbot der obersten Anführer der Juden, dass sie nicht darüber sprechen sollten, wer Jesus wirklich ist. Sie konnten es einfach nicht lassen, anderen von dem zu erzählen, was sie gesehen und gehört hatten und was es bedeutet.

Dieses Leben in uns, diese Leidenschaft, sollte nach wie vor unsere Motivation sein. Ich weiß, es gibt Augenblicke und Tage, an denen ich nicht gerne tue, was zu tun ist. Es gibt Situationen, in denen ich mehr aus Pflichtgefühl handle als eine Leidenschaft zu leben. Doch wenn Pflichtgefühl und Druck von anderen Ihre Hauptmotivation sind, sollten Sie ernsthaft darüber nachdenken, wie sich das ändern lässt.

Gute Tipps dazu bekommen wir in Kapitel 5 im Buch Der Weg der Erneuerung. Jesus wird dort nach der Übersetzung Neues Leben zitiert: „Kommt alle her zu mir, die ihr müde seid und schwere Lasten tragt, ich will euch Ruhe schenken. Nehmt mein Joch auf euch. Ich will euch lehren, denn ich bin demütig und freundlich, und eure Seele wird bei mir zur Ruhe kommen. Denn mein Joch passt euch genau, und die Last, die ich euch auflege, ist leicht“ (Matthäus 11,28-30).

Wie können wir von Jesus den Rhythmus der Gnade lernen? Wie bekommen wir die Leidenschaft zurück in unser Leben? Die Antwort liegt nicht darin, irgendeine Aktivität auszuführen. Die Antwort lautet einfach: indem wir Zeit mit Jesus verbringen. Das Gebet ist eine meiner liebsten Arten, Zeit mit Jesus und mit der ganzen Familie Gottes – des Vaters, des Sohnes und des Geistes – zu verbringen. Die Frucht dieser persönlichen Beziehung ist, dass ich leicht inspiriert werde, für andere und mit ihnen zu beten.

Vielleicht ist die Leidenschaft fürs Gebet kein Teil Ihrer Persönlichkeit. Aber lassen Sie sich davon nicht abhalten zu verstehen, dass es sowohl nötig als auch möglich ist, Ihre Gebetsgemeinschaft mit Gott weiterzuentwickeln. In diesem Magazin werden Sie einige Anregungen dazu bekommen. Falls es Ihnen an Leidenschaft fehlt, könnte Ihr einziges einfaches Gebet in den nächsten Wochen so aussehen: „Lieber Gott, führe mich auf den Weg mit dir, auf dem ich im Gebet Leidenschaft vom Heiligen Geist empfange.“

Dieser Artikel wurde im Heilsarmee Magazin Nummer 8/2017 veröffentlicht.

Proportionen und Beziehungen

Wenn Kinder zum ersten Mal einen Menschen zeichnen, besteht diese Figur meist vor allem aus einem großen Kopf mit kurzen Linien als Hände und Füße. Das bezeichnet man als Kopffüßler.

Die Proportionen leuchten ein, denn vom Kopf kommen Lächeln, Ermutigung und verbale Kommunikation, alles, was für Drei- bis Vierjährige besonders wichtig ist. Andererseits kann man davon ausgehen, dass Kindern vollkommen klar ist, wie Menschen wirklich aussehen. Sie haben Arme erlebt, die sie umarmen, und Beine, die zu ihnen laufen. Der Kopffüßler ist nur eine Phase ihrer Entwicklung.

Dieses Bild kam mir in den Sinn, als ich an den Ausdruck der Leib Christi dachte. Paulus gebraucht ihn, wenn er über die Gemeinschaft der Gläubigen spricht. Jesus ist der Kopf, und die Leute in der Gemeinde sind die verschiedenen Körperteile. In seinem Brief an die Christen in Korinth spricht Paulus ein Problem an. Manche Glieder der Gemeinde, des Leibes, finden sich wichtiger als die anderen. Wenn wir seine Worte in ein Bild umsetzen, würde es wie ein Kopffüßler aussehen, aber mit einem großen Auge oder Ohr statt eines Kopfes.

Er meint damit, dass kein Evangelist, Lehrer, Musiker, Sozialarbeiter oder sonst jemand von sich behaupten kann, dass er das wichtigste Glied ist. Das Einzigartige an der Gemeinschaft ist, dass wir zusammen einen Leib bilden, in dem wir alle einander brauchen. Falls irgendein Teil wichtiger ist als die anderen, dann ist es der Kopf. Christus ist das Haupt und kein anderer Teil sollte seine Führungsrolle übernehmen.

Wenn dieses Jahr in vielen europäischen Ländern Wahlen stattfinden oder bereits stattgefunden haben, dann wünschte ich mir, dass die Gesellschaft allgemein vom Bild des einen Leibes lernen würde. Es scheint, dass manche Ideologien sehr darauf erpicht sind, die schwachen und verletzlichen Glieder der Gesellschaft zu amputieren. Andere sind wütend und neidisch und versuchen den starken Gliedern zu schaden.

Für die Gesundheit der Gesellschaft ist es wichtig, dass wir auch weiterhin gesunde kleine Gemeinschaften aufbauen. Wenn wir gute Beziehungen pflegen und einen gesunden Leib von Gläubigen in unseren Familien, in der Gemeinde und den ökumenischen Gemeinschaften aufbauen, dann wirkt sich das auf die Gesellschaft als Ganzes aus.

Es fehlt uns auch nicht an guten Ratschlägen und praktischer Hilfe, wie dies zu erreichen ist. Am Ende von 1. Korinther 12 nennt Paulus einen hervorragenden Weg, damit die Glieder des Leibes gut funktionieren. Dieser Weg ist die Liebe, die er in Kapitel 13 sehr schön beschreibt. In Epheser 4,15 sagt er, wenn wir in Liebe wahrhaftig sind, werden wir wachsen und dem Haupt des Leibes, Christus, immer ähnlicher.

Das Buch Der Weg der Erneuerung enthält in Kapitel 4 eine noch praktischere Hilfestellung. Dieser Weg beginnt damit, dass wir die Menschen um uns herum betrachten. Mit wem sind wir gemeinsam unterwegs und wie steht es um unsere Beziehungen? Es ist bemerkenswert, dass die Bezeichnung für unsere Gemeinden, „Korps“, von dem lateinischen Wort corpus stammt, das Leib bedeutet. Ich empfehle Ihnen, Ihren Weg der Erneuerung zu beginnen und Kapitel 4 zu nutzen, damit die Qualität und Stärke Ihrer Beziehungen zu anderen Menschen wächst.

Es ist ganz normal, dass ein Körper reift und sich entwickelt. Das Bild, das wir von unserer Gemeinschaft vermitteln möchten, ist kein Kopffüßler, sondern Beziehungen, in denen sich die Schönheit Jesu spiegelt.

Dieser Artikel wurde im Heilsarmee Magazin Nummer 6/2017 veröffentlicht.

Dach und Keller. Leidenschaft und Geist.

Eines der vielen Themen, mit denen ich als Heilsarmeeoffizierin zu tun hatte, sind Entscheidungen hinsichtlich der Reparatur von Häusern. Eine meiner ersten Erkenntnisse dabei war, dass es vor allem auf das Dach und den Keller ankommt.

Manchmal müssen wir prüfen, warum Leben sich am falschen Ort entwickelt.

Auch Häuser, die relativ neu sind und gepflegt wirken, können von Schimmel und Fäulnis betroffen sein. Die Konstruktion sieht zwar sehr gut aus, doch die Menschen, die darin leben, werden krank, weil z. B. falsche Materialien verwendet wurden oder die Belüftung unzureichend ist. Kurz gesagt: Jeder wohnt am liebsten in einem Haus, das solide, gesund und gut anzuschauen ist.

Man sagt, die Kirche – oder auch ein Heilsarmeekorps – ist nicht das Gebäude, sondern die Menschen. Dennoch ist ein solcher Vergleich für unsere Gemeinschaft hilfreich – und sogar biblisch. Das bedeutet: Wir alle möchten, dass unsere Gemeinschaft stark, gesund und attraktiv ist, schauen wir also, was Gott uns dazu rät.

Im Lukasevangelium, Kapitel 6, lesen wir: Jeder, der hört, was Jesus sagt, und versteht, was er meint, ist wie ein Mensch, der ein Haus auf ein solides Fundament baut. Hören ist die Verantwortung jedes Einzelnen. Verstehen ist etwas Persönliches, doch ich denke, es entwickelt sich vor allem durch den Austausch, der in einer Gemeinschaft stattfindet. Ausgehend von dieser Grundlage, dass wir Jesus hören und verstehen, können wir aktiv werden und anfangen zu bauen.

Paulus spricht über diesen Vorgang, eine starke Gemeinschaft zu bauen. Als die Leute in Korinth darüber streiten, wer der beste Baumeister ist, weist Paulus darauf hin, dass es vor allem auf das Fundament ankommt. Er macht das sehr deutlich. Die einzige Alternative besteht darin zu wissen, was die Botschaft, das Leben, der Tod und die Auferstehung von Jesus bedeuten.

Die Kirche hat ein zweiteiliges Fundament: auf dem Kreuz und auf festem Boden.

Dann erwähnt Paulus, dass verschiedene Lehrer ihren Teil dazu beitragen, auf diesem Fundament aufzubauen. So braucht unser Glaube zum Beispiel die Strukturen der Lehre, wir füllen das Innere mit Gemeinschaft und verschiedenen Ausdrucksformen des geistlichen Dienstes, und das können wir laut Paulus mit verschiedenen Methoden (Materialien) tun.

Doch ist das genug? Paulus wechselt sein Bild von einem allgemeinen Gebäude zu dem konkreten Gebäude des Tempels. Er sagt: „Ihr seid dieser Tempel“ (1. Korinther 3,17 NLB). Aus dem Zusammenhang wird deutlich, dass er die Gemeinschaft als Ganzes anspricht und nicht den Einzelnen.

Was ist das Besondere am Tempel? Er sagt, dass „der Geist Gottes in euch wohnt“ (Vers 16). Der Heilige Geist, der Wind, die Luft, der Lebensatem. Der Geist Jesu.

Wir können also die drei Schlüsselelemente einer starken Gemeinschaft von Gläubigen zusammenfassen: 1. Das felsenfeste Fundament von allem, was Gott in Jesus verdichtet hat. 2. Ein vielfältiger Dienst, der sich Gott in Gebet und Anbetung zuwendet und gleichzeitig aktiv mit der guten Nachricht hinaus zu den Menschen geht. 3. Die erfrischende Durchlüftung mit dem Heiligen Geist, die sich in guter Frucht und Gaben bemerkbar macht.

Als Unterstützung für dieses Leben und die fortlaufende Arbeit empfehle ich das neue Buch Der Weg der Erneuerung (Journey of Renewal), das nun auch auf Deutsch erhältlich ist. Es ist wie eine Checkliste für eine gesunde Gemeindearbeit. Eine Illustration zeigt, dass im Zentrum von allem, was geschieht, die persönliche Leidenschaft und der Geist stehen. Leidenschaft und Geist sind für unser Leben vielleicht das, was Dach und Keller für ein Haus sind. Wenn wir die in Form halten, wird alles andere gut sein.

Dieser Artikel wurde im Heilsarmee Magazin Nummer 5/2017 veröffentlicht.

Jährliche Vorsorgeuntersuchung

Ich habe einen Termin bei einem neuen Zahnarzt ausgemacht. Der Umzug in ein anderes Land (oder sogar einem Ort innerhalb eines Landes) bedeutet, dass man einen neuen Zahnarzt und andere Ärzte braucht.

Mein Zahnarzt in Köln habe ich auf Empfehlung gefunden. Ich gehe davon aus, dass die jährliche Vorsorgeuntersuchung eine gute Erfahrung sein wird. Erst dann werde ich wissen, ob irgendwelche Maßnahmen ergriffen werden müssen. Warum muss ich das machen? Muss ich? Niemand zwingt mich! Es ist einfach eine natürliche und notwendige Sache, die ich tun muss, wenn ich gesunde Zähne haben will.

Ich lebe, ich esse, ich kümmere mich um meine Zähne (obwohl es da noch Raum für Verbesserung gibt) und ich gehe zu meiner jährlichen Vorsorgeuntersuchungen zum Zahnarzt, um Verfall vorzubeugen und ein Leben ohne Zahnschmerzen zu haben.

So funktioniert Der Weg der Erneuerung, die Accountability-Bewegung der internationalen Heilsarmee.

Das Buch gibt es jetzt auf Deutsch. Es wird an alle Korps und Einrichtungen verteilt. Wenn Sie an der „Gesundheit“ der Heilsarmee vor Ort interessiert sind, können Sie es kaufen und lesen.

Es enthält Informationen, Motivation, biblische Reflexion und Wege der praktischen Anwendung. Es kann individuell, in der persönlichen Entwicklung, und als gutes Werkzeug für Gruppen angewendet werden.

Das Material Der Weg der Erneuerung funktioniert wie eine jährliche Vorsorgeuntersuchung. Wenn alles funktioniert wie es sollte, werden Sie ermutigt werden. Wenn Risikobereiche oder größere Probleme entdeckt werden, werden Sie froh sein, dass es Werkzeuge gibt, die im Heilungsprozess angewendet werden können.

Niemand zwingt Sie oder Ihr Korps dieses Buch zu lesen oder durch den Prozess hindurchzugehen. Aber wenn Sie Jesus mit Leidenschaft und im Geist folgen möchten und Sie Teil eines über die Jahre gesund bleibenden Korps sein möchten, dann wäre es gut, diesen Weg zu beginnen.

Das deutsche Buch kostet 4 €.

On this link, in English, you can read more and download the book.