Was ich als Kind gelernt habe

Ich lernte Fahrradfahren, als die Autos in Schweden noch auf der linken Straßenseite fuhren. Das wirkt sich bis heute aus. Uns wurde eingeschärft, immer auf der den Autos entgegengesetzten Seite abzusteigen. Irgendwann tat ich das, ohne nachzudenken.

Ich habe mir nicht viele Gedanken darüber gemacht, obwohl man in Schweden seit 1967 auf der rechten Straßenseite fährt. Seither sind fünfzig Jahre vergangen und meine Art, vom Fahrrad abzusteigen, hat sich nicht automatisch geändert! Und das, obwohl ich in diesen 50 Jahren ziemlich viel Rad gefahren bin.

Bis heute, wo ich regelmäßig mit dem Rad im Kölner Stadtverkehr unterwegs bin. Ich begann mir zu sagen: „Wahrscheinlich wäre es besser, auf der rechten Seite abzusteigen, wenn ich warte, dass die Ampel grün wird.“ Nicht, dass der Verkehr sehr stark wäre, aber inzwischen denke ich doch darüber nach, warum ich das so mache.

 

 

 

 

 

 

Das Ergebnis ist, dass ich dabei bin, eine alte Gewohnheit zu verlernen und bewusst zu überlegen, wo ich meinen Fuß habe, wenn ich vom Fahrrad absteigen will.

(Wie lange dauert es, eine Gewohnheit abzulegen? Ich habe einmal gehört, dass es etwa drei Wochen braucht, 21 Tage, doch dann entdeckte ich einen Artikel, der das als einen Mythos entlarvt. Es dauert im Durchschnitt 66 Tage – über zwei Monate!)

In diesem Beitrag geht es mir nicht ums Fahrradfahren. Es geht darum, Kindern (und Erwachsenen, die eine gute Gewohnheit einüben wollen), zu vermitteln, dass sie wichtige Verhaltensmuster wiederholen sollten, und ihnen zu erklären, wozu das gut ist.

Das gilt für den Aufbau einer Beziehung zu Gott genauso wie für vernünftiges Verhalten im Straßenverkehr.

(Photo: Stefanie Wöhler)

A passion for what is good

We always find time for things we like and are passionate about. Some people live with open doors. There are always people coming and going, food being eaten and conversations going on. That happens because there is a passion for people in that family. When children come with their friends and empty the fridge it might disturb plans a bit, but parents with a passion for relationships accept it.

I usually find time for a morning walk in a city I am visiting and have no problem attending to my plants on the balcony. These things are an extension of who I am – I am curious and I like flowers and to taste sweet home-grown tomatoes. When I talk about passion in this context, it is a positive force for good. It is not a passion that makes me selfish or that harms others. It is within my power to control it so it will benefit me and people around me.

What we now call the Christian Church, people who walk with Jesus, came into existence because God put a passion in the hearts of the disciples. The Holy Spirit came into them personally and into their fellowship and suddenly there were no problems at all with telling the world about Jesus. Even a prohibition from the top Jewish leadership, which forbade them to speak about who Jesus really is, was ignored. They just couldn’t help sharing about what they had seen and heard and what it meant to others.

This life in us, this passion, should still be our motivation. I know that there are moments and days when I don’t like doing what has to be done. There are situations when I act more from my sense of duty than living out a passion. But if duty and pressure from others is your main motivation, then you seriously need to look at changing that.

We get some good advice from chapter 5 in the book Journey of Renewal. In the Message translation, Jesus is quoted as saying: “Are you tired? Worn out? Burned out on religion? Come to me. Get away with me and you’ll recover your life. I’ll show you how to take a real rest. Walk with me and work with me—watch how I do it. Learn the unforced rhythms of grace. I won’t lay anything heavy or ill-fitting on you. Keep company with me and you’ll learn to live freely and lightly.” (Matthew 11:28-30)

How do we learn “the rhythms of grace”? How do we get passion back into our lives? The answer is not about doing an activity. The answer is simply – spending time with Jesus. Prayer is one of my favourite ways of spending time with Jesus and with the whole family of God – Father, Son and Spirit. The fruit of that personal relationship is that I easily get inspired praying for and with others.

It might not be part of your personality to be passionate about prayer. Don’t let that stop you understanding that there is both a need and a way to develop your prayer fellowship with God. You will get some inspiration from this magazine. If you lack passion, your only and simple prayer for the following weeks can be just this: “Dear God, take me on the road with you where I will receive passion from the Holy Spirit in my prayers.”

This text has been published in Die Heilsarmee magazin #8/2017

Eine Leidenschaft für das, was gut ist

Für Dinge, die wir mögen und von denen wir begeistert sind, finden wir immer Zeit. Manche Leute leben mit offenen Türen. Ständig kommen und gehen Gäste, es wird gemeinsam gegessen und miteinander geredet. Das geschieht, weil es in dieser Familie eine Leidenschaft für Menschen gibt. Wenn die Kinder ihre Freunde mitbringen und den Kühlschrank leeren, dann bringt das zwar die Pläne ein bisschen durcheinander, doch Eltern mit einer Leidenschaft für Beziehungen nehmen das hin.

Wenn ich eine andere Stadt besuche, finde ich meist die Zeit zu einem Morgenspaziergang. Es fällt mir auch nicht schwer, mich um meine Pflanzen auf dem Balkon zu kümmern. Diese beiden Eigenschaften gehören zu mir – ich bin neugierig und ich mag gerne Blumen und süße, selbst gezogene Tomaten. Wenn ich in diesem Zusammenhang von Leidenschaft spreche, dann ist es eine positive Kraft zum Guten. Es ist keine Leidenschaft, die mich selbstsüchtig macht oder anderen schadet. Es liegt in meiner Macht, sie zu kontrollieren, damit sie mir und den Menschen um mich herum zugutekommt.

Was wir heute die christliche Kirche nennen, die Gemeinschaft von Menschen, die mit Jesus unterwegs sind, entstand, weil Gott eine Leidenschaft in die Herzen der Jünger legte. Der Heilige Geist kam in sie persönlich und in ihre Gemeinschaft, und plötzlich fiel es ihnen überhaupt nicht mehr schwer, der Welt von Jesus zu erzählen. Sie ignorierten sogar ein Verbot der obersten Anführer der Juden, dass sie nicht darüber sprechen sollten, wer Jesus wirklich ist. Sie konnten es einfach nicht lassen, anderen von dem zu erzählen, was sie gesehen und gehört hatten und was es bedeutet.

Dieses Leben in uns, diese Leidenschaft, sollte nach wie vor unsere Motivation sein. Ich weiß, es gibt Augenblicke und Tage, an denen ich nicht gerne tue, was zu tun ist. Es gibt Situationen, in denen ich mehr aus Pflichtgefühl handle als eine Leidenschaft zu leben. Doch wenn Pflichtgefühl und Druck von anderen Ihre Hauptmotivation sind, sollten Sie ernsthaft darüber nachdenken, wie sich das ändern lässt.

Gute Tipps dazu bekommen wir in Kapitel 5 im Buch Der Weg der Erneuerung. Jesus wird dort nach der Übersetzung Neues Leben zitiert: „Kommt alle her zu mir, die ihr müde seid und schwere Lasten tragt, ich will euch Ruhe schenken. Nehmt mein Joch auf euch. Ich will euch lehren, denn ich bin demütig und freundlich, und eure Seele wird bei mir zur Ruhe kommen. Denn mein Joch passt euch genau, und die Last, die ich euch auflege, ist leicht“ (Matthäus 11,28-30).

Wie können wir von Jesus den Rhythmus der Gnade lernen? Wie bekommen wir die Leidenschaft zurück in unser Leben? Die Antwort liegt nicht darin, irgendeine Aktivität auszuführen. Die Antwort lautet einfach: indem wir Zeit mit Jesus verbringen. Das Gebet ist eine meiner liebsten Arten, Zeit mit Jesus und mit der ganzen Familie Gottes – des Vaters, des Sohnes und des Geistes – zu verbringen. Die Frucht dieser persönlichen Beziehung ist, dass ich leicht inspiriert werde, für andere und mit ihnen zu beten.

Vielleicht ist die Leidenschaft fürs Gebet kein Teil Ihrer Persönlichkeit. Aber lassen Sie sich davon nicht abhalten zu verstehen, dass es sowohl nötig als auch möglich ist, Ihre Gebetsgemeinschaft mit Gott weiterzuentwickeln. In diesem Magazin werden Sie einige Anregungen dazu bekommen. Falls es Ihnen an Leidenschaft fehlt, könnte Ihr einziges einfaches Gebet in den nächsten Wochen so aussehen: „Lieber Gott, führe mich auf den Weg mit dir, auf dem ich im Gebet Leidenschaft vom Heiligen Geist empfange.“

Dieser Artikel wurde im Heilsarmee Magazin Nummer 8/2017 veröffentlicht.

Revisiting conference notes

A conference should be like a creative workshop. There is, of course, always the possibility of just enjoying the moment there and then. Hearing inspired talks has its value even if they will soon be forgotten. Engaging in worship that lifts your soul to a moment of holy God-presence has more to it than just being nice. However, I benefit more if my attitude is of an active listener, expecting God to involve me. He adds to my knowledge, expands my scope of faith and increases my understanding of what it looks like when his Kingdom is light, salt and yeast in our society.

I know that my ability to remember what people say is limited, but I had forgotten that (!), so the first plenum speech on Evangelism had finished before I started to take notes. Fortunately, the main sessions are all available at dynamissio.de Videostream.

Now, a few months after the Dynamission conference in Berlin, it is interesting to look back at the notes I made. Some make me remember what I heard and some speak to me again. I will share some notes (not exact quotes) here. When you read them, God will probably make you think of something different from what I thought. Because that is how it works when we live in the workshop of the Creator.

Where love is, there is the beauty of God. Everything that has love has a future.

It is more important to listen to the Spirit than to get on with our activities. If a church does not hear the Spirit, how will it be led?

God did not just reconcile the believer to himself. He reconciled the Cosmos. We see a world where God is already at work. (2 Cor. 5:19)

Ruth Padilla DeBorst

Ruth Padilla DeBorst’s talk made an impact on me. I wrote some reflections about this in my blog post Beyond Dynamissio. Here is some of what I wrote:

In theory, I am all for Jesus coming to the poor, the prisoners, the blind and oppressed, but what do I and the established Christian fellowship really long for, pay attention to and dream about?

We want our meeting halls and churches filled with people, we want new soldiers and members and followers of Jesus. We pray for leaders and generous supporters. Yes, the truth is that our hopes and expectations are that God will move in this country and keep our organisation, our church going and growing. Bless us! Come to us!

Ruth Padilla DeBorst said that Jesus came to go beyond human expectations and desire for comfort. “Life can only be enjoyed by sharing, not hoarding or consuming.”

If I reflect on the language that we sometimes use in The Salvation Army today, we often have a tendency to talk about expecting more and better things from God for ourselves. That might not be completely wrong, as such, but the proclamation in Nazareth reminds us that FIRST we should share hope, life and freedom in Jesus with all those who are going without these things.

“We shall not save the world. Jesus has already done that. We need to be saved from a world of overabundance and self-reliance.” This quote from her talk summarises that we can trust God to build his Church as we go with his revolutionary love and grace to where it is needed.

This text has been published in Heilsarmee magazin #7 2017 

Kongress-Notizen

Eine Konferenz sollte wie eine Kreativwerkstatt sein. Natürlich ist es immer möglich, einfach nur den aktuellen Moment zu genießen. Gute Vorträge zu hören, hat seinen Wert, selbst wenn sie bald wieder vergessen sind. In Anbetungszeiten, die die Seele für einen Moment in die Gegenwart des heiligen Gottes erheben, steckt mehr als dass sie einfach nur schön sind. Doch ich habe mehr davon, wenn ich aktiv zuhöre und erwarte, dass Gott mich persönlich anspricht. Er vergrößert mein Wissen, erweitert meinen Glauben und hilft mir immer besser zu verstehen, wie es aussieht, wenn sein Reich Licht, Salz und Sauerteig in unserer Gesellschaft ist.

Ich weiß eigentlich, dass meine Fähigkeit, mich an die Worte anderer Menschen zu erinnern, begrenzt ist, aber ich hatte nicht daran gedacht. Daher war die erste Plenumsveranstaltung über Evangelisation bereits vorüber, bis ich mir Notizen zu machen begann. (Glücklicherweise kann man alle Hauptveranstaltungen noch einmal als Video auf dynamissio.de anschauen).

Heute, wenige Monate nach der Dynamissio Konferenz in Berlin, ist es recht interessant, mir meine Notizen noch einmal anzuschauen. Manche erinnern mich an das, was ich gehört habe, und manche sprechen mich von Neuem an. Nachfolgend möchte ich ein paar meiner Notizen (keine genauen Zitate) mit Ihnen teilen. Wenn Sie sie lesen, wird Gott Sie dabei wahrscheinlich auf etwas anderes aufmerksam machen als mich. So ist das, wenn wir in der Werkstatt des Schöpfers leben.

Wo Liebe ist, ist die Schönheit Gottes. Alles, was Liebe enthält, hat eine Zukunft.

Es ist wichtiger auf den Heiligen Geist zu hören als unsere Aktivitäten fortzusetzen. Wenn eine Gemeinde den Heiligen Geist nicht hört, wie wird sie dann geleitet?

Gott hat nicht nur den Gläubigen mit sich versöhnt. Er hat den Kosmos versöhnt. Wir sehen eine Welt, in der Gott bereits am Werk ist (2. Korinther 5,19).

Ruth Padilla DeBorst

Besonders beeindruckt hat mich der Vortrag der lateinamerikanischen Theologin Ruth Padilla DeBorst. In meinem Blogbeitrag „Beyond Dynamissio“ habe ich einige Gedanken dazu aufgeschrieben. Hier ein kleiner Einblick:

Theoretisch bin ich sehr dafür, dass Jesus zu den Armen, den Gefangenen, den Blinden und Unterdrückten kommt, doch was ist es, wonach ich mich gemeinsam mit der etablierten christlichen Gemeinde wirklich sehne, worauf wir achten und wovon wir träumen?

Wir wollen, dass unsere Versammlungssäle und Kirchen sich mit Menschen füllen, wir wünschen uns neue Heilssoldaten, Mitglieder und Nachfolger Jesu. Wir beten um Leiter und großzügige Unterstützer. Ja, wir hoffen und erwarten tatsächlich, dass Gott in diesem Land etwas bewegt und unsere Organisation, unsere Kirche in Schwung hält und weiter wachsen lässt. Segne uns! Komm zu uns!

Ruth Padilla DeBorst sagte, dass Jesus kam, um über die menschlichen Erwartungen und ihren Wunsch nach Behaglichkeit hinauszugehen. „Man kann das Leben nur genießen, indem man teilt, nicht indem man hamstert oder konsumiert.“

Wenn ich über die Sprache nachdenke, die wir heute manchmal in der Heilsarmee gebrauchen, dann gibt es da eine Tendenz, darüber zu sprechen, dass wir noch mehr und noch Besseres von Gott für uns erwarten. Das mag an sich nicht völlig falsch sein, doch die Verkündigung Jesu in Nazareth erinnert uns daran, dass wir ZUERST die Hoffnung, das Leben und die Freiheit in Jesus mit allen teilen sollen, denen all das fehlt.

„Wir werden nicht die Welt retten. Das hat Jesus bereits getan. Wir müssen von einer Welt des Überflusses und der Selbstsicherheit gerettet werden.“ Dieses Zitat aus ihrem Vortrag fasst zusammen, dass wir uns darauf verlassen können, dass Gott seine Kirche baut, während wir mit seiner revolutionären Liebe und Gnade dorthin gehen, wo sie gebraucht wird.

Dieser Artikel wurde im Heilsarmee Magazin Nummer 7/2017 veröffentlicht.

Proportions and relationships

One of the first drawings children make of a human being mainly consists of a big head, while hands and feet are just short lines. In German it is called a Kopffüßler. In Swedish a huvudfoting. (Both meaning a head with feet.) In English, the word is a stick figure.

The proportions make sense, because from the head come smiles, encouragement and verbal communication, all things that are important to a 3 to 4-year-old person. On the other hand, it is safe to assume that children are fully aware of what people really look like. They have experienced arms that hug and legs that run to them. This image is just a stage of their development.

This image came to mind as I was thinking of the expression the body of Christ. Paul uses it when he talks about the fellowship of believers. Jesus is the head and the people in the Church are the different parts of the body. When writing to the Christians in Corinth Paul addresses a problem. Some parts of the Church, the body, are looking at themselves as being more important than the others. If we were to draw a picture of what he describes it would be like a stick figure but with a big eye or ear instead of a head.

His point is that none of the evangelists, teachers, musicians, people doing social ministry or any of the others can say that they are the most important part. The uniqueness of the fellowship is that we make up one body where we all need each other. If there is any part more important than the other, it is the head. Christ is the head and no part should take his place of authority.

This year, when there have been or will be elections in many European countries, I wish that society in general would learn from the image of One Body. It seems that some ideologies are very eager to amputate the weak and vulnerable parts of society. Others are angry and envious and will try to harm the strong parts.

In order to have a healthy society we do well to continue building healthy small fellowships. If we practise good relationships and build a balanced body of believers in our families, in church and in the ecumenical fellowships, society as a whole will be influenced.

We are not short of available advice and practical help to achieve this. Paul ends 1 Corinthians 12 by introducing the most excellent way for the parts of the body to function well. The way is love, which he writes beautifully about in chapter 13. In Ephesians 4:15 he says that when we speak the truth in love we will grow and become the mature body of the head, that is Christ.

More practical help is given in chapter 4 of the book Journey of Renewal. That journey starts with considering the people around us. Who are we making this journey with and how are our relationships? It is worth noting that the name of our congregations, “corps”, is taken from the Latin word corpus, which means body. I recommend you to start your journey of renewal and use chapter 4 to grow in the quality and strength of your relationships with people.

It is natural for a body to mature and develop. The image of our fellowship we want to pass on is not a Kopffüßler,  a stick figure but relationships that reflect the beauty of Jesus.

This text has been published in the Heilsarmee Magazin #6/2017

Proportionen und Beziehungen

Wenn Kinder zum ersten Mal einen Menschen zeichnen, besteht diese Figur meist vor allem aus einem großen Kopf mit kurzen Linien als Hände und Füße. Das bezeichnet man als Kopffüßler.

Die Proportionen leuchten ein, denn vom Kopf kommen Lächeln, Ermutigung und verbale Kommunikation, alles, was für Drei- bis Vierjährige besonders wichtig ist. Andererseits kann man davon ausgehen, dass Kindern vollkommen klar ist, wie Menschen wirklich aussehen. Sie haben Arme erlebt, die sie umarmen, und Beine, die zu ihnen laufen. Der Kopffüßler ist nur eine Phase ihrer Entwicklung.

Dieses Bild kam mir in den Sinn, als ich an den Ausdruck der Leib Christi dachte. Paulus gebraucht ihn, wenn er über die Gemeinschaft der Gläubigen spricht. Jesus ist der Kopf, und die Leute in der Gemeinde sind die verschiedenen Körperteile. In seinem Brief an die Christen in Korinth spricht Paulus ein Problem an. Manche Glieder der Gemeinde, des Leibes, finden sich wichtiger als die anderen. Wenn wir seine Worte in ein Bild umsetzen, würde es wie ein Kopffüßler aussehen, aber mit einem großen Auge oder Ohr statt eines Kopfes.

Er meint damit, dass kein Evangelist, Lehrer, Musiker, Sozialarbeiter oder sonst jemand von sich behaupten kann, dass er das wichtigste Glied ist. Das Einzigartige an der Gemeinschaft ist, dass wir zusammen einen Leib bilden, in dem wir alle einander brauchen. Falls irgendein Teil wichtiger ist als die anderen, dann ist es der Kopf. Christus ist das Haupt und kein anderer Teil sollte seine Führungsrolle übernehmen.

Wenn dieses Jahr in vielen europäischen Ländern Wahlen stattfinden oder bereits stattgefunden haben, dann wünschte ich mir, dass die Gesellschaft allgemein vom Bild des einen Leibes lernen würde. Es scheint, dass manche Ideologien sehr darauf erpicht sind, die schwachen und verletzlichen Glieder der Gesellschaft zu amputieren. Andere sind wütend und neidisch und versuchen den starken Gliedern zu schaden.

Für die Gesundheit der Gesellschaft ist es wichtig, dass wir auch weiterhin gesunde kleine Gemeinschaften aufbauen. Wenn wir gute Beziehungen pflegen und einen gesunden Leib von Gläubigen in unseren Familien, in der Gemeinde und den ökumenischen Gemeinschaften aufbauen, dann wirkt sich das auf die Gesellschaft als Ganzes aus.

Es fehlt uns auch nicht an guten Ratschlägen und praktischer Hilfe, wie dies zu erreichen ist. Am Ende von 1. Korinther 12 nennt Paulus einen hervorragenden Weg, damit die Glieder des Leibes gut funktionieren. Dieser Weg ist die Liebe, die er in Kapitel 13 sehr schön beschreibt. In Epheser 4,15 sagt er, wenn wir in Liebe wahrhaftig sind, werden wir wachsen und dem Haupt des Leibes, Christus, immer ähnlicher.

Das Buch Der Weg der Erneuerung enthält in Kapitel 4 eine noch praktischere Hilfestellung. Dieser Weg beginnt damit, dass wir die Menschen um uns herum betrachten. Mit wem sind wir gemeinsam unterwegs und wie steht es um unsere Beziehungen? Es ist bemerkenswert, dass die Bezeichnung für unsere Gemeinden, „Korps“, von dem lateinischen Wort corpus stammt, das Leib bedeutet. Ich empfehle Ihnen, Ihren Weg der Erneuerung zu beginnen und Kapitel 4 zu nutzen, damit die Qualität und Stärke Ihrer Beziehungen zu anderen Menschen wächst.

Es ist ganz normal, dass ein Körper reift und sich entwickelt. Das Bild, das wir von unserer Gemeinschaft vermitteln möchten, ist kein Kopffüßler, sondern Beziehungen, in denen sich die Schönheit Jesu spiegelt.

Dieser Artikel wurde im Heilsarmee Magazin Nummer 6/2017 veröffentlicht.