Garten – Golgatha – Grab – Grill

Vielleicht liegt es an meinem Alter, aber denke manchmal darüber nach, was mich geprägt hat. Abgesehen von besonderen Momenten mit Gott und anderen Menschen erkenne ich inzwischen auch, wie wichtig Phasen sind. Damit meine ich Zeiten, in denen sich sowohl in mir als auch um mich herum etwas verändert hat.

Die Zeit um Ostern war eine besondere Phase im Leben von Jesus und seinen Jüngern. Sie lässt sich mit den Worten Garten, Golgatha, Grab und Grill zusammenfassen.

Der Garten Gethsemane war ein Ort, an den Jesus oft mit seinen Jüngern ging. Dieser Ort der Gemeinschaft und Erholung wird nun zu einem Ort des inneren Kampfes und des Verrats. Jesus macht die schlimmste Nacht seines Lebens durch. In seinem Gebet sieht er quasi die hässlichsten Sünden, die schlimmsten Gräuel und die gemeinsten Lügen der Welt in dem Kelch, den er trinken muss. Zudem verhöhnt ihn der Teufel mit Gedanken, dass es einen Ausweg gibt.

In einer solchen Situation würden gute Freunde einen normalerweise ermutigen und unterstützen. Doch die Jünger machen nach dem Abendessen ein Nickerchen, da sie sich nicht vorstellen können, wie existenziell Jesus mit sich ringt. Jesus ist alleine. Er erlebt den Schmerz und unterstellt sich dem Willen des Vaters, ohne dass jemand anders seinen Sieg im Gehorsam miterlebt.

Auf das einsame Ringen im Garten folgt die öffentliche Beschämung auf dem Weg nach Golgatha.

Auch wenn die religiösen und politischen Anführer meinen, alles im Griff zu haben, indem sie einen Betrüger und Unruhestifter aus dem Weg räumen – sie sind in der Hand Gottes, der ein weit größeres Ziel erreicht. Jesus erleidet die grausame Todesstrafe der Römer, doch sein Kreuz wird zum Symbol des gehorsamen Sieges, nicht der Niederlage. Gott handelt. Gott vollendet die Phase eines neuen Bundes zwischen sich und den Menschen auf der Welt.

Doch das Lamm Gottes zu sein, das unsere Sünde wegnimmt, ist erst die halbe Arbeit. Gott öffnet uns nicht nur einen Weg zum Himmel, er lässt den Himmel auf die Erde kommen. Jesus wird aus seinem toten menschlichen Körper befreit und tritt aus dem Grab in das Leben der neuen Schöpfung Gottes hier auf der Erde.

Jesus zeigt sich mehrmals seinen Nachfolgern und beweist, dass Gott die Merkmale des Auferstehungslebens auch gewöhnlichen Menschen schenkt, die an ihn glauben.

Begonnen haben wir in einem Garten nach einem Abendessen, unter verwirrenden Umständen, die die Jünger schläfrig machten. Zum Abschluss betrachten wir ein Frühstück am Grill. Am Strand des Sees Genezareth hat Jesus ein Feuer gemacht und etwas zu essen vorbereitet. Die Jünger sind immer noch verwirrt, aber hellwach nach einem wundersamen Fischfang.

Nach dem Frühstück spricht Jesus mit Petrus über die Zukunft. Er bittet Petrus, diejenigen zu unterstützen, die an Jesus glauben. Um in dieser Aufgabe treu zu bleiben, ist nur eines nötig: Jesus zu lieben. Vor Ostern hatte Petrus sich als künftigen Helden gesehen, der mit Jesus notfalls auch ins Gefängnis oder in den Tod geht. Stattdessen erlebte er eine demütigende und ernüchternde Phase.

Es ist tröstlich zu wissen, dass meine Identität nicht hauptsächlich von dem kommt, was ich tue, sondern vom Wachsen in Jesus, indem ich seine Gnade und Liebe genieße.
Dieser Artikel wurde im Heilsarmee Magazin Nummer 4/2018 veröffentlicht.

Single but not alone

I don’t know many people who actively have chosen not to marry. In fact, I’ve only heard it from one person. He made the choice to stay unattached in order to be fully available to God. For some people, being single could be the best choice in order to be completely available for God’s purposes. I am equally sure that others would be obedient to God’s calling and achieve the same goal by marrying.

If living as a single person is not a choice, it is on the other hand not a punishment either, or the second-best option. I think it is healthy to be truthful to yourself about these things. We should avoid the extremes on both sides – glorifying being single or victimising oneself for not being married.

I have not chosen not to marry. My most fundamental choice in life has been to stay with Jesus, to obey him. He prompted me to become an officer and I trusted him in his direction for me and said yes. That was not a choice to live life as a single person but a choice to stay in my calling. Because that is my first priority, the options for marriage have not worked out, as I kept the first thing the first thing. Although I sometimes tried to imagine myself in marriage and serving God in another capacity than as an officer, it never really became the better option.

I might have an advantage in not seeing myself as a victim in this situation. Among my relatives, there have been several single men and women, both in the generation before me and among my cousins. They have all lived a good life. I am also aware of the fact that people are different. While I never have had problems living on my own and keeping myself company, there are those who suffer from coming home to an empty flat and not having a partner and children.

In Germany 40.5% of the households* are made up of single adults without children (in Sweden the figure is 52%). That is a reason also to look at both the problems and the positive sides of the issue. I leave the problems to someone else and want to add some encouragement.

Firstly, I encourage everyone to build friendships. This sometimes happens spontaneously but often it takes some intentional work. Be a friend to both married people and other singles. As in all relationships, it is not just what you want from others but what you contribute that makes it work.

Secondly, there are positive aspects to being single. I am free to set the agenda of my involvement in ministry and other areas.

Thirdly, whether you are married or single, life is often about choosing to see the positive side. In either option, it is about being aware of temptations that makes freedom become selfishness or allowing self-pity to enter when you think of what you go without.

Finally, I’m happy to say that Jesus is a good example in this area of life too, both for men and for women. Admittedly, his life and calling were on a different level than yours and mine, but God became human to make humanity work with divine help.

*Eurostat

This text was first published in the Heilsarmee Magazin 3/2018.

Unverheiratet, aber nicht alleine

Ich kenne nicht viele Leute, die sich bewusst entschieden haben, nicht zu heiraten. Tatsächlich habe ich das nur von einer einzigen Person gehört. Dieser Mann traf die Entscheidung, ungebunden zu bleiben, um Gott ganz zur Verfügung zu stehen. Für manche Menschen ist es wohl am besten ledig zu sein, damit sie sich uneingeschränkt für Gottes Ziele einsetzen können. Ich bin aber ebenso sicher, dass andere auf Gottes Ruf hören und dasselbe Ziel erreichen, indem sie heiraten.

Wenn es keine bewusste Entscheidung ist, alleine zu leben, dann ist es andererseits aber auch keine Strafe und auch nicht die zweitbeste Option. Ich denke, es ist wichtig, in der Hinsicht ehrlich zu sich selbst zu sein. Wir sollten beide Extreme vermeiden – die Ehelosigkeit zu verherrlichen oder sich andererseits dafür zu bedauern, dass man nicht verheiratet ist.

Ich habe mich nicht entschieden, unverheiratet zu bleiben. Die grundlegendste Entscheidung in meinem Leben war, bei Jesus zu bleiben, ihm zu gehorchen. Er hat mich aufgefordert, Heilsarmeeoffizierin zu werden, und ich habe ihm und seiner Wegweisung für mich vertraut und Ja gesagt. Es war keine Entscheidung für ein Leben in Ehelosigkeit, sondern eine Entscheidung, in meiner Berufung zu bleiben. Weil das meine erste Priorität ist, hat es mit einer Heirat nicht geklappt, da ich das Wichtigste auch an der ersten Stelle bewahren wollte. Auch wenn ich mir manchmal vorgestellt habe, wie es wäre, verheiratet zu sein und Gott in einer anderen Funktion zu dienen, nicht als Heilsarmeeoffizierin, wurde das nie wirklich die bessere Option.

Vielleicht ist es ein Vorteil, dass ich mich in dieser Situation nicht als Opfer sehe. In meiner Verwandtschaft gibt es mehrere alleinstehende Männer und Frauen, sowohl in der Generation vor mir als auch unter meinen Cousins und Cousinen. Sie alle haben ein gutes Leben geführt. Mir ist auch bewusst, dass Menschen verschieden sind. Während ich nie Probleme damit hatte, alleine zu leben und mir selbst Gesellschaft zu leisten, leiden andere darunter, nach Hause in eine leere Wohnung zu kommen und keinen Partner und keine Kinder zu haben.

In Deutschland bestehen 40,5 % der Haushalte* aus allein lebenden Erwachsenen ohne Kinder (in Schweden liegt diese Zahl bei 52 %). Das ist ein Anlass, sowohl die Probleme als auch die positiven Seiten dieses Themas zu betrachten. Ich überlasse die Probleme jemand anderem und möchte etwas Ermutigendes hinzufügen.

Erstens ermutige ich jeden, Freundschaften aufzubauen. Manchmal geschieht dies spontan, doch häufig benötigt es bewusste Arbeit. Pflegen Sie Freundschaften sowohl zu Ehepaaren als auch zu anderen Singles. Wie bei allen Beziehungen funktionieren sie nicht nur durch das, was man von anderen erwartet, sondern durch das, was man selbst beisteuert.

Zweitens hat das Singlesein auch positive Aspekte. Zum Beispiel die Freiheit, mein Engagement im geistlichen Dienst und anderen Bereichen zu bestimmen.

Drittens geht es im Leben oft darum, bewusst das Positive zu sehen, egal ob man verheiratet oder alleinstehend ist. In jedem Fall sollte man sich der Versuchungen bewusst sein, durch die sich die Freiheit zu Egoismus entwickelt oder das Selbstmitleid Einzug hält, wenn man daran denkt, worauf man verzichten muss.

Schließlich freue ich mich zu sagen, dass Jesus auch in diesem Lebensbereich ein gutes Vorbild ist, sowohl für Männer als auch für Frauen. Zugegeben, sein Leben und seine Berufung waren auf einer anderen Ebene als bei uns, doch Gott wurde Mensch, damit die Menschen mit Gottes Hilfe gut leben können.

*Eurostat

Dieser Artikel wurde im Heilsarmee Magazin Nummer 3/2018 veröffentlicht.

When the mirror starts talking to you

A common theme at the beginning of every year is about how to get slimmer. After the rich food over Christmas and New Year, we step up on the scales, have a look, step down and then usually consider changing to a healthier diet. After that, as we come into February and March, magazines will remind us about the need to fit into our swimsuits. That is yet another reminder to start denying ourselves fast food, cakes and sweets.

There are many messages that appeal to our vanity. Many advertisements prompt us into action on behalf of our own well-being. The main reason they give for this is: I have the right to feel good. I’m worth it. I have earned the right to treat myself to a reward. I this and I that!

If you are tired of this self-centred attitude, I have good news for you.

Please welcome the ‘health for the soul’ week, the self-denial week. (Warning! This might do your soul so much good that it will become an addiction. There are actually people who live generously during  the whole year. This can become a habit, the normal thing to do.)

Instead of seeing yourself in the mirror, imagine that you are looking at an unknown brother or sister from one of our Partners in Mission Territories. Imagine yourself in these countries. Imagine that you are a woman, a young person or a man in Bangladesh, Malawi, Mozambique, Liberia or Sierra Leone. Imagine that you then have the opportunity to talk to someone in Germany about the self-denial collection. What would you say to the person who is looking in the mirror?Perhaps you would say something like this: How blessed you are to have a regular income in your family. Even pensioners can be sure of receiving at least some money every month. How blessed you are to live in a country where the taxes you pay actually come back to the people and do not end up in the hands of corrupt officials. You have systems that will assure you of health-care, schools and even good roads. How blessed you are that for 51 weeks of the year you can give your tithe offering to the corps in cash. It is simpler than giving a chicken or something from the fields.

Because you are so blessed, would you consider giving your tithe for one week and make a special offering to the people in my corps?

When I read the stories from our Partners in Mission countries, I can imagine hearing their voices. They encourage me to take some time to save money on food and other expenses in order to give more to them.

The self-denial offering is a world-wide event in all the 128 countries where The Salvation Army is at work. The family in Bangladesh or Malawi who give 1 Euro in their offering often sacrifice more than me, when I give 100 Euro. That fact challenges me to think about myself. Not in the commercial sense mentioned at the beginning. I will think about myself and consider how much I can do without so that I can give in order to keep God’s mission going in our partner countries.

You can read more about this year’s Self Denial collection here and some further facts from Mozambique here. That will be in German. (Click on the underlined word to open a link.)

Praying for the harvest in Mozambique

This article was first published in Die Heilsarmee Magazion 2/2018

Wenn der Spiegel zu reden beginnt

Ein häufiges Thema am Jahresbeginn ist das Abnehmen. Nach dem reichhaltigen Essen über Weihnachten und Neujahr steigen wir auf die Waage, werfen einen Blick auf die Anzeige, steigen herunter und überlegen dann meist, uns von jetzt an gesünder zu ernähren. Später, wenn es Februar und März wird, erinnern uns Zeitschriften an die Notwendigkeit, in unsere Badeanzüge zu passen. Das ist ein weiterer Anlass, auf Fast Food, Kuchen und Süßigkeiten zu verzichten.

Es gibt viele Botschaften, die unsere Eitelkeit ansprechen. Die Werbung fordert uns in vielen Fällen auf, für unser eigenes Wohlbefinden aktiv zu werden. Der Hauptgrund, der dafür genannt wird, lautet: Ich habe das Recht, mich gut zu fühlen. Ich bin es wert. Ich habe es verdient, mir eine Belohnung zu gönnen. Immer geht es um mich!

Falls Sie diese ichbezogene Haltung leid sind, habe ich eine gute Nachricht für Sie.

Begrüßen Sie mit mir die „Gesundheit für die Seele”-Wochen, die Selbstverleugnungswochen. (Vorsicht! Diese Zeit könnte Ihrer Seele so guttun, dass Sie süchtig danach werden. Es gibt tatsächlich Menschen, die das ganze Jahr über großzügig sind. Das kann zur Gewohnheit, zur normalsten Sache der Welt werden.)

Statt sich selbst im Spiegel zu betrachten, stellen Sie sich vor, dass Sie einen unbekannten Bruder oder eine unbekannte Schwester aus einem unserer Partnerländer anschauen. Versetzen Sie sich gedanklich in eines dieser Länder. Stellen Sie sich vor, Sie wären eine Frau, ein Jugendlicher oder ein Mann in Bangladesch, Malawi, Mosambik, Liberia oder Sierra Leone. Stellen Sie sich vor, Sie hätten anschließend die Gelegenheit, mit jemandem in Deutschland über die Frühjahrssammlung zu sprechen. Was würden Sie der Person sagen, die in den Spiegel schaut?

Vielleicht würden Sie in etwa Folgendes sagen: Wie bist du doch gesegnet, dass du ein regelmäßiges Einkommen in deiner Familie hast. Selbst Rentner können sicher sein, jeden Monat wenigstens etwas Geld zu bekommen. Wie bist du doch gesegnet, dass du in einem Land lebst, in dem die Steuern, die du zahlst, tatsächlich wieder den Menschen zugutekommen und nicht in den Händen korrupter Beamter verschwinden. Ihr habt Systeme, die euch eine Gesundheitsversorgung, Schulen und sogar gute Straßen sichern. Wie bist du doch gesegnet, dass du 51 Wochen im Jahr deinen Zehnten für das Korps in bar zahlen kannst. Das ist einfacher als ein Huhn oder etwas von den Feldern zu geben.

Weil du so gesegnet bist, könntest du dir vorstellen, deinen Zehnten für eine Woche als ein besonderes Opfer für die Leute in meinem Korps zu geben?

Wenn ich die Geschichten aus unseren Partnerländern lese, kann ich mir vorstellen, ihre Stimmen zu hören. Sie ermutigen mich, mir Zeit zu nehmen, um bei Lebensmitteln und anderen Ausgaben Geld zu sparen, damit ich ihnen mehr geben kann.

Die Frühjahrssammlung ist ein weltweites Ereignis in allen 128 Ländern, in denen die Heilsarmee tätig ist. Eine Familie in Bangladesch oder Malawi, die einen Euro gibt, opfert häufig mehr als ich, wenn ich 100 Euro spende. Diese Tatsache fordert mich heraus, über mich nachzudenken. Nicht in dem kommerziellen Sinn, den ich eingangs erwähnt habe. Ich denke über mich nach und überlege, auf wie viel ich verzichten kann, um einen Beitrag für die Weiterführung von Gottes Mission in unseren Partnerländern zu leisten.

Sie können hier mehr über die Selbstverleugnungswoche lesen und weitere Fakten über Mosambik finden Sie hier. (Klick auf das unterstrichene Wort öffnet einen Link.)

Dieser Artikel wurde im Heilsarmee Magazin Nummer 2/2018 veröffentlicht.

The rich and the poor

What some call success is to others a failure. The press release from Oxfam was picked up on most news sites in the world. The figures in the headline are of course attracting attention: “The world’s richest 1% gets 82% of the wealth.”

What they write in the first paragraph is almost even more intriguing: “The billionaire boom is not a sign of a thriving economy but a symptom of a failing economic system. The people who make our clothes, assemble our phones and grow our food are being exploited to ensure a steady supply of cheap goods, and swell the profits of corporations and billionaire investors,” says Executive Director of Oxfam International Winnie Byanyima.

Last week, the rich and influential people met at the World Economic Forum in Davos. If we think in the terms of failure or success, did they dance at the funeral of the poor or did they have a reason to celebrate a thriving economy? With little change in serious redistribution of wealth in the world, it seems to me that the former is closer to the truth. (I also understand that it is helpful to all of us that the world economy is going well, generally.)

Many good things have happened in the world since Jesus, in various ways, proclaimed that the rich have a responsibility to use their money and their influence to achieve good things, as a contrast to enjoying it for their own gratification. (Luke 12:13-21)

Looking back, from my personal perspective, governments have had limited success in achieving a fairer distribution of wealth. The political tools are not effective enough to steer the big money-making businesses into acting more responsibly and paying their taxes. On top of that, too many countries are corrupt and leading politicians have their own hands in the cookie jar.

The last 100 years have shown that a revolution is not a solution either. Too often, the poor and the oppressed who come to power just take revenge on their former oppressors and become just a different set-up of corrupt leaders.

I’m not qualified to give political solutions but I can reflect on fundamental principles that comes from God.

We who are part of the 99% that owns the other 18% of the world’s wealth do a lot to help the poorest amongst us. Churches and Non-Governmental Organizations in the world are doing a fantastic work in developing small farms to be more productive, organizing micro-credit schemes, giving poor children an education, etc.

A lot of fundraising is going on to feed the hungry and give clean water to communities. All that makes a difference. However, I cannot help thinking what a difference it would make if millions of workers in textile factories, mines, on farmlands and in other low-paid jobs got a decent salary instead of handouts.

I have no idea what the alternative economic system would be when the present one fails (according to the Oxfam statement). What I do believe, is that there would be more political stability and better finances in the world if the 1% rich would abstain from extreme profits and give the poor people the dignity of earning enough to provide for their families. To achieve that we need no new economic system. It just takes a righteous heart.

Good will come to those who are generous and lend freely, who conduct their affairs with justice. Psalm 112:5

Die Reichen und die Armen

Was manche Erfolg nennen, ist für andere ein Misserfolg. Die Pressemitteilung von Oxfam wurde von den meisten Nachrichtenseiten der Welt aufgegriffen. Natürlich sorgen die Zahlen in der Überschrift für Aufsehen: „Das reichste Prozent der Menschen strich 82 Prozent des im vergangenen Jahr erwirtschafteten Vermögens ein.“

Was weiter unten steht, ist fast noch interessanter: „Der Milliardärsboom ist kein Zeichen für eine florierende Wirtschaft, sondern ein Symptom für ein versagendes Wirtschaftssystem. Die Menschen, die unsere Kleidung nähen, unsere Telefone montieren und unsere Lebensmittel anbauen, werden ausgebeutet, um eine ständige Zufuhr billiger Waren sicherzustellen und die Gewinne von Konzernen und milliardenschweren Investoren in die Höhe zu treiben“, sagt Winnie Byanyima, Geschäftsführerin von Oxfam International.

Letzte Woche trafen sich die Reichen und Einflussreichen beim Weltwirtschaftsforum in Davos. Wenn wir in den Kategorien Misserfolg oder Erfolg denken, fragen wir uns: Haben sie beim Begräbnis der Armen getanzt, oder hatten sie einen Grund, eine florierende Wirtschaft zu feiern? Da sich wenig im Sinne einer ernsthaften Umverteilung des weltweiten Vermögens ändert, scheint mir das Erstere näher an der Wahrheit zu sein. (Dabei ist mir auch bewusst, dass es im Allgemeinen uns allen nützt, wenn die Weltwirtschaft gut läuft.)

Viel Gutes ist in der Welt geschehen, seit Jesus auf unterschiedliche Weisen verkündete, dass die Reichen die Verantwortung haben, ihr Geld und ihren Einfluss zu nutzen, um Gutes zu tun und es nicht nur nach eigenem Gutdünken zu genießen. (Lukas 12,13-21)

Rückblickend hatten die Regierungen aus meiner Sicht kaum Erfolg damit, eine gerechtere Verteilung des Reichtums zu erreichen. Die politischen Werkzeuge sind nicht effektiv genug, um die großen gewinnbringenden Unternehmen dazu zu bringen, dass sie verantwortungsvoller handeln und ihre Steuern zahlen. Zudem sind allzu viele Länder korrupt und führende Politiker haben dabei auch selbst ihre Hände im Spiel.

Die letzten 100 Jahre haben gezeigt, dass eine Revolution auch keine Lösung ist. Allzu oft nehmen die Armen und Unterdrückten, die an die Macht kommen, nur Rache an ihren ehemaligen Unterdrückern und entwickeln sich zu einer anderen Gruppe korrupter Leiter.

Ich bin nicht berechtigt, politische Lösungen vorzugeben, aber ich kann über grundlegende Prinzipien nachdenken, die von Gott kommen.

Wir, die wir zu den 99 % gehören, die die übrigen 18 % des Weltvermögens besitzen, tun viel, um den Ärmsten unter uns zu helfen. Kirchen und Nichtregierungsorganisationen weltweit leisten ein großartige Arbeit, indem sie die Produktivität kleiner landwirtschaftlicher Betriebe fördern, Mikrokredite organisieren, armen Kindern eine Ausbildung ermöglichen usw.

Viele Spenden werden gesammelt, um den Hungrigen Nahrung zu geben und Ortschaften mit sauberem Wasser zu versorgen. All dies bewirkt etwas. Doch ich frage mich, wie viel es bewirken würde, wenn Millionen Arbeiter in Textilfabriken, Bergwerken, in der Landwirtschaft und anderen schlecht bezahlten Arbeitsstellen einen anständigen Lohn bekommen würden anstatt Almosen.

Ich habe keine Ahnung, wie ein alternatives Wirtschaftssystem aussehen würde, wenn das derzeitige versagt (laut Aussagen von Oxfam). Ich glaube aber, dass es mehr politische Stabilität und eine bessere Finanzlage in der Welt gäbe, wenn das eine Prozent an Reichen auf extreme Gewinne verzichten und den Armen die Würde gewähren würde, genug zu verdienen, damit sie ihre Familien versorgen können. Um das zu erreichen, brauchen wir kein neues Wirtschaftssystem. Ein aufrichtiges Herz genügt.

Gut geht es dem, der hilfsbereit ist,
der den Armen gerne von seinem Besitz leiht
 und sich bei allem, was er tut, an das Recht hält! (Psalm 112,5 Hfa)