Mit Gott in Gremiensitzungen dienen

„… und bitte, Gott, segne unsere Pläne.” Auch ich habe schon einmal so gebetet. Doch ich habe auch schon vor einigen Jahren bewusst versucht, mir das abzugewöhnen. Was wir sagen, verrät häufig, wer wir wirklich sind. Worte, die Gott bitten, unsere Pläne und unser Tun zu segnen, offenbaren ein Leben, in dem wir Gott unter unserer Kontrolle halten. Er wird freundlicherweise eingeladen, seinen Segen als eine Art geistlichen Bonus zu verleihen, der bestätigt, dass wir unsere religiöse Arbeit selbst ganz gut erledigt haben.

Wenn wir ein neues Leben mit Jesus empfangen haben, ist dieses neue Leben das einzige Leben, das wir haben. Wir sind immer Kinder Gottes. Alles, was wir tun, ist nur ein Ergebnis dessen, wer wir sind.

Wenn wir die Gnade Gottes empfangen haben und Jesus nachfolgen, bildet dieses Leben auch die Grundlage aller Arbeit in Ausschüssen und Gremien. Es ist die Grundlage, aber es genügt nicht. Geistliche Gaben und eine Beziehung zu Jesus machen professionelles Verhalten und hilfreiche Regelungen nicht unnötig. Es ist eher umgekehrt. Ein Korpsrat, ein Territorialer Finanzrat oder der Hohe Rat profitieren alle von klaren Richtlinien sowie von dem Bewusstsein, dass Gottes Gaben wie zum Beispiel Urteilsvermögen und Prophetie, durch verschiedene Personen in der Gruppe wirken.

Zwar besteht durchaus die Gefahr, dass ein zu strenges Festhalten an Formalitäten einen kreativen Austausch verhindert, doch gleichzeitig trifft zu, dass Sitzungen ohne Verfahrensordnung sehr wenig erreichen und Gefahr laufen, von jemandem beherrscht zu werden, der seine eigenen Interessen verfolgt.

Der Hohe Rat, der den General (den internationalen Leiter der Heilsarmee) wählt, verbringt gewöhnlich mehr als die Hälfte seiner Zeit damit, sich über die Verfahrensordnung zu einigen. Dies beschreibt General i. R. John Larsson in seinem Buch Inside a High Council. Obwohl wir als Mitglieder des Rates die Verfahrensordnungen aus früheren Jahren als Vorlage haben, ist der Prozess des Lesens, Änderns und Genehmigens wichtig, damit alle an dem, was wir tun, beteiligt sind.

Es ist eine Frage der Integrität und Fairness, dass alle Mitglieder eines Gremiums die Regeln kennen, nach denen diskutiert und eine Entscheidung getroffen wird. Das vermindert das Risiko, dass manche dominieren und das Ergebnis bestimmen. Neben den Verfahrensregeln, von denen alle profitieren, spielt stets der Vorsitzende eine Schlüsselrolle. Es ist katastrophal, wenn eine unsichere oder dominante Person das Sagen hat. Wir sollten daran denken, dass alle Arten von Leiterschaft eine Möglichkeit bieten, an der Seite Jesu zu dienen.

Der Hohe Rat ist ein gutes Beispiel für die vielfältige Art und Weise, wie ein Gremium auf Impulse von Gott hören kann. Da ist zum einen das Bewusstsein der persönlichen Verantwortung, auf Gott zu hören, wir wissen um die beständige Gegenwart des Heiligen Geistes, der auf geheimnisvolle Weise wirken kann, und es gibt Momente der konzentrierten Anbetung und des Gebets. Der Hohe Rat hat einen eigenen Geistlichen, der regelmäßige Pausen zur Schriftbetrachtung und zum Gebet vorbereitet.

Anstatt zu beten, dass Gott unsere Pläne segnet, geht es in unserem ganzen Leben darum, dass wir an Gottes Plänen teilhaben. Das biblische Bild dafür ist, ein Glied des Leibes Christi zu sein. Wenn ich „das Richtige tue”, ist das eine natürliche Folge davon, dass ich mit Gott und anderen Gliedern seines Leibes im Reinen bin.

Dieser Artikel wurde im Heilsarmee Magazin Nummer 5/2018 veröffentlicht.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.