Kongress-Notizen

Eine Konferenz sollte wie eine Kreativwerkstatt sein. Natürlich ist es immer möglich, einfach nur den aktuellen Moment zu genießen. Gute Vorträge zu hören, hat seinen Wert, selbst wenn sie bald wieder vergessen sind. In Anbetungszeiten, die die Seele für einen Moment in die Gegenwart des heiligen Gottes erheben, steckt mehr als dass sie einfach nur schön sind. Doch ich habe mehr davon, wenn ich aktiv zuhöre und erwarte, dass Gott mich persönlich anspricht. Er vergrößert mein Wissen, erweitert meinen Glauben und hilft mir immer besser zu verstehen, wie es aussieht, wenn sein Reich Licht, Salz und Sauerteig in unserer Gesellschaft ist.

Ich weiß eigentlich, dass meine Fähigkeit, mich an die Worte anderer Menschen zu erinnern, begrenzt ist, aber ich hatte nicht daran gedacht. Daher war die erste Plenumsveranstaltung über Evangelisation bereits vorüber, bis ich mir Notizen zu machen begann. (Glücklicherweise kann man alle Hauptveranstaltungen noch einmal als Video auf dynamissio.de anschauen).

Heute, wenige Monate nach der Dynamissio Konferenz in Berlin, ist es recht interessant, mir meine Notizen noch einmal anzuschauen. Manche erinnern mich an das, was ich gehört habe, und manche sprechen mich von Neuem an. Nachfolgend möchte ich ein paar meiner Notizen (keine genauen Zitate) mit Ihnen teilen. Wenn Sie sie lesen, wird Gott Sie dabei wahrscheinlich auf etwas anderes aufmerksam machen als mich. So ist das, wenn wir in der Werkstatt des Schöpfers leben.

Wo Liebe ist, ist die Schönheit Gottes. Alles, was Liebe enthält, hat eine Zukunft.

Es ist wichtiger auf den Heiligen Geist zu hören als unsere Aktivitäten fortzusetzen. Wenn eine Gemeinde den Heiligen Geist nicht hört, wie wird sie dann geleitet?

Gott hat nicht nur den Gläubigen mit sich versöhnt. Er hat den Kosmos versöhnt. Wir sehen eine Welt, in der Gott bereits am Werk ist (2. Korinther 5,19).

Ruth Padilla DeBorst

Besonders beeindruckt hat mich der Vortrag der lateinamerikanischen Theologin Ruth Padilla DeBorst. In meinem Blogbeitrag „Beyond Dynamissio“ habe ich einige Gedanken dazu aufgeschrieben. Hier ein kleiner Einblick:

Theoretisch bin ich sehr dafür, dass Jesus zu den Armen, den Gefangenen, den Blinden und Unterdrückten kommt, doch was ist es, wonach ich mich gemeinsam mit der etablierten christlichen Gemeinde wirklich sehne, worauf wir achten und wovon wir träumen?

Wir wollen, dass unsere Versammlungssäle und Kirchen sich mit Menschen füllen, wir wünschen uns neue Heilssoldaten, Mitglieder und Nachfolger Jesu. Wir beten um Leiter und großzügige Unterstützer. Ja, wir hoffen und erwarten tatsächlich, dass Gott in diesem Land etwas bewegt und unsere Organisation, unsere Kirche in Schwung hält und weiter wachsen lässt. Segne uns! Komm zu uns!

Ruth Padilla DeBorst sagte, dass Jesus kam, um über die menschlichen Erwartungen und ihren Wunsch nach Behaglichkeit hinauszugehen. „Man kann das Leben nur genießen, indem man teilt, nicht indem man hamstert oder konsumiert.“

Wenn ich über die Sprache nachdenke, die wir heute manchmal in der Heilsarmee gebrauchen, dann gibt es da eine Tendenz, darüber zu sprechen, dass wir noch mehr und noch Besseres von Gott für uns erwarten. Das mag an sich nicht völlig falsch sein, doch die Verkündigung Jesu in Nazareth erinnert uns daran, dass wir ZUERST die Hoffnung, das Leben und die Freiheit in Jesus mit allen teilen sollen, denen all das fehlt.

„Wir werden nicht die Welt retten. Das hat Jesus bereits getan. Wir müssen von einer Welt des Überflusses und der Selbstsicherheit gerettet werden.“ Dieses Zitat aus ihrem Vortrag fasst zusammen, dass wir uns darauf verlassen können, dass Gott seine Kirche baut, während wir mit seiner revolutionären Liebe und Gnade dorthin gehen, wo sie gebraucht wird.

Dieser Artikel wurde im Heilsarmee Magazin Nummer 7/2017 veröffentlicht.

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