Schichten der Tradition

Ich glaube, dass Weihnachten überwiegend von menschlichen Traditionen beeinflusst ist – obwohl dieses Fest auf biblischen Ereignissen beruht.

Die eigentliche Weihnachtsgeschichte ist geprägt von Einfachheit, sogar von Armut: ein Kind, das in einem Hinterhof geboren und in eine notdürftige Krippe gelegt wurde. Die ersten Besucher, die zum Gratulieren kamen, waren Menschen mit dem einfachsten Beruf: Hirten.

Daraus – und dazu gehören auch die vielen theologischen Ebenen – hat sich das entwickelt, wie wir heute Weihnachten feiern: eine Mischung aus albernen Liedern und wunderschönen Hymnen, ein Überfluss an Essen ebenso wie einfache Mahlzeiten, die Obdachlose miteinander teilen. Neben den einfachen Freuden dürfen wir aber auch nicht vergessen, welche Macht der kommerzielle Druck hat.

tomten-2In meiner Heimat Schweden scheint die Weihnachtszeit eine Mischung zu sein aus alten Volksbräuchen, europäischen christlichen Traditionen und amerikanischer Popkultur. So ist unser „Weihnachtsmann“ nicht St. Nikolaus, sondern „Tomte“. Das ist der kleine Mann im Haus, den man bei Laune halten muss, damit er keinen Unsinn verursacht. Unser Weihnachtsmenü besteht aus einer Menge von allem. Denn früher wurde in jedem Haushalt zu Weihnachten ein Schwein geschlachtet – und dann hatte man auf einmal sehr viel zu essen.

Aber heute wird der traditionelle Weihnachtsgottesdienst am 1. Weihnachtstag um 7 Uhr morgens ersetzt durch einen Gottesdienst am späten Abend des 24. Dezember. Und die Menschen haben kaum ihre Geschenke geöffnet, wenn schon am 2. Weihnachtsfeiertag der Schlussverkauf beginnt.

Die Weihnachtszeit beginnt am ersten Advent, wenn wir die erste Kerze anzünden, und jeden Sonntag dann eine weitere. Wir hängen den Adventsstern ins Fenster, der den Weg nach Bethlehem zeigt, wie es damals war. Da es im Winter in Schweden nur wenige Stunden Tageslicht gibt, lieben wir es, Kerzen anzuzünden. Das passt gut zu der Weihnachtsbotschaft, dass Jesus als Licht in diese Welt kam. Zu diesem Thema feiern wir auch am 13. Dezember den Tag von Lucia, der Königin der Lichter. Diese Tradition gibt es erst seit den späten 1920er-Jahren.

julkrubba-magnetEuropa verändert sich, gewinnt an Vielfalt. Daher kann ich mich nicht auf meine Umgebung verlassen, wenn es darum geht, eine eigene Weihnachtstradition zu entwickeln. Weihnachten ist deshalb eine Zeit, in der ich selbst entscheide, wie ich feiere. Das Wichtigste von allem ist die Freude an dem Wunder, dass Gott als Mensch geboren wurde. Und dann geht es darum, diese Freude mit der Familie, Freunden und Fremden zu teilen, so, wie es passt. Mögen Sie ein „God Jul“, ein frohes Weihnachtsfest, haben!

Dieser Text wurde veröffentlicht in “Das Heilsarmee Magazin”.

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