Die Kunst Freundschaften zu schließen

Es ist ein sehr geläufiges Wort – Freundschaft. Es wird häufig verwendet und wir alle verstehen seine Bedeutung. Doch es ist wichtig, ein wenig über die Möglichkeiten und Herausforderungen nachzudenken, die mit dieser wichtigen Beziehung verbunden sind.

Diejenigen unter uns, die schon viele Jahre in der Heilsarmee verbracht haben, sind sich einig, dass Menschen in unsere Cafés, Jugendgruppen oder Versammlungen kommen können, um Freunde zu finden. Ich glaube jedoch, die Realität ist schwieriger als wir gerne zugeben.

Es stimmt, dass man in allen Korps und Einrichtungen der Heilsarmee meist freundliche Menschen trifft. Neue Leute werden wahrgenommen und begrüßt, aber das ist oft auch schon alles. Freundlich zu sein ist nicht dasselbe wie ein Freund zu sein.

Die wichtige Frage lautet also: Wie entstehen Freundschaften?

img_2214-2Ich glaube, die meisten von uns haben schon gemerkt, dass sich ein gewisses Muster durch unser Leben zieht. Wir begegnen einem Menschen und stellen bald fest, dass wir uns gut verstehen. Wir entdecken, dass wir gut miteinander reden und das Zusammensein genießen können. Doch zwischen dem „Gut miteinander auskommen“ und einer Freundschaft liegt ein bewusster Schritt.

Ich weiß, dass ich mir diese Frage schon manchmal gestellt habe: Möchte ich dieser Person ein Freund sein und erlaube ich ihr, ein Teil meines Lebens zu werden?

Wir müssen anerkennen, dass wir als Einzelne in diesem Bereich verschieden sind. Für manche Menschen ist es ganz selbstverständlich, eine offene Tür und ein offenes Herz zu haben, während andere ihre Privatsphäre bewusster schützen.

Doch abgesehen davon, dass wir die Persönlichkeit des anderen respektieren, ist es auch nötig, dass wir die Berufung und Herausforderung von Gott verstehen, „denen ein Freund [zu] sein, die keine Freunde haben” (wie das Offiziersgelübde der Heilsarmee es ausdrückt) und in der Art und Weise, wie wir unsere Korpsgemeinschaft aufbauen, Jesus nachzufolgen.

Als ich das letzte Mal für das Forum schrieb, lautete das Thema Dankbar für die Familie, und diesmal geht es um Freundschaft. Wenn wir beides miteinander verbinden, entdecken wir sowohl die Möglichkeit als auch die Herausforderung, die ich am Anfang erwähnte. Inwieweit ist Ihre Familie eine Familie, die bewusst Freundschaft mit neuen Leuten schließt, die einen Freund brauchen?

Inwiefern spricht die Korpsfamilie über dieses Thema? Die besondere Berufung für Leiter vor Ort liegt darin, die Kunst, Freundschaften zu schließen, zu fördern. Wie können wir gemeinsam denen Freunde sein, die keine Freunde haben, vielleicht nur weil sie „schwierige“ Persönlichkeiten sind? Wie schließen wir Freundschaft mit Menschen, die nach Deutschland geflohen sind, um ihr Leben im Frieden neu zu beginnen? Wie können wir die nächsten Schritte bei Menschen tun, die uns vertraut sind, wenn wir an Aktivitäten im Korps oder in einer Einrichtung teilnehmen, bei denen aber keine Freundschaften entstehen?

Wir können uns von Jesus ermutigen lassen. Wenn er seine Jünger als seine Freunde bezeichnet (Johannes 15,13-15), traut er ihnen zu, dass sie miteinander schwere Zeiten überstehen. Die Schlussfolgerung von Jesus (und ich denke auch aus unserer Lebenserfahrung) lautet, dass Freundschaft wächst, indem man über einen gewissen Zeitraum Gutes und Schweres miteinander erlebt.

Dieser Artikel wurde in der Zeitschrift Das Forum veröffentlicht.

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